Wer eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, stolpert früher oder später über drei Kürzel: DOI, ISBN, ISSN. Manche Zitierstile verlangen alle drei, andere nur einen, und Zotero füllt sie meistens automatisch — solange du weisst, wann du welches selbst nachtragen musst. Dieser Beitrag erklärt jedes Kürzel kurz, zeigt, wo du es findest, und sagt dir, wann es in deine Bibliografie gehört.
DOI — Digital Object Identifier
Ein DOI ist die digitale Adresse einer wissenschaftlichen Publikation. Er sieht so aus: 10.1038/s41586-022-04958-w. Vergeben werden DOIs zentral über die Organisation Crossref (für Journals und Bücher) sowie DataCite (für Datensätze) — und sie bleiben gültig, auch wenn die URL des Verlags umzieht. Genau das ist der Punkt: ein DOI ist kein Link, aber jeder DOI lässt sich über https://doi.org/<doi> auflösen.
Wann brauchst du DOI im Literaturverzeichnis?
- Bei Zeitschriftenartikeln (Journal Articles): in fast allen modernen Zitierstilen (APA 7, Chicago Author-Date, AMA, JAMA, IEEE) Pflicht, wenn vorhanden.
- Bei Konferenz-Proceedings und Buchkapiteln: zunehmend Pflicht, wenn ein DOI existiert.
- Bei Datensätzen, Pre-Prints (arXiv, bioRxiv), Software: Pflicht.
Wo findest du den DOI?
- Auf der Verlagsseite des Artikels — meist oben rechts oder in der Zitationsangabe.
- Im PDF selbst auf der ersten Seite, klein gedruckt unter den Autor:innennamen oder im Fussbereich.
- Über
crossref.orgmit Titel oder Autor:innen. - Direkt in Zotero über Rechtsklick → “Metadaten von DOI/ISBN abrufen” — wenn der DOI im PDF steht, zieht Zotero ihn automatisch.
Falle: Es gibt zwei DOI-Schreibweisen: nur die Kennung (10.1038/...) und als URL (https://doi.org/10.1038/...). APA 7 verlangt die URL-Form mit https://doi.org/. Schau in deinem Stilguide nach — Zotero rendert die richtige Form automatisch, wenn das Feld korrekt befüllt ist.
ISBN — International Standard Book Number
Eine ISBN identifiziert ein konkretes Buch in einer konkreten Ausgabe und Sprache. Modernes Format: 13-stellig, z.B. 978-3-518-29483-5. Ältere Bücher haben noch 10-stellige ISBNs — beide sind gültig, neuere Bibliografien ziehen die 13-stellige Variante vor.
Wann brauchst du ISBN im Literaturverzeichnis?
- In den meisten Geisteswissenschafts-Stilen (Chicago Notes-Bibliography, MLA): optional, oft weggelassen.
- In Sozialwissenschaft / Psychologie (APA 7): nicht erforderlich für klassische Monografien.
- In juristischen Arbeiten (deutsch): oft empfohlen, weil Auflagen-Identifikation entscheidend ist.
- Für E-Books mit eigener ISBN: wenn du das E-Book konsumierst, die E-Book-ISBN angeben (nicht die Druck-ISBN).
Wo findest du die ISBN?
- Auf der Rückseite des Titelblatts in jedem Buch.
- Auf der Verlagsseite und in jedem Bibliothekskatalog.
- In Zotero über Rechtsklick → “Metadaten von DOI/ISBN abrufen” — funktioniert auch mit ISBN.
Falle: Verschiedene Auflagen haben verschiedene ISBNs. Wenn du die 2. Auflage zitierst, gehört auch die ISBN der 2. Auflage in deine Bibliografie, nicht die der 1.
ISSN — International Standard Serial Number
Eine ISSN identifiziert eine Zeitschrift (Serie), nicht einen einzelnen Artikel. Format: XXXX-XXXX, z.B. 0028-0836 (Nature). Es gibt Print-ISSN und elektronische ISSN (eISSN) — manche Zeitschriften haben beide.
Wann brauchst du ISSN im Literaturverzeichnis?
- In den meisten Sozial- und Geisteswissenschaftsstilen (APA, Chicago, MLA): nein.
- In Medizin und Naturwissenschaft (Vancouver, AMA): manchmal.
- In juristischen Arbeiten (deutsch): nein.
Faustregel: Wenn du im Zweifel bist, ob die ISSN rein soll, frag deinen Stilguide. In über 80% der studentischen Arbeiten ist die ISSN überflüssig.
Wo findest du die ISSN?
- Auf der Titelseite der Zeitschrift, oft im Impressum.
- Auf der Verlagsseite der Zeitschrift (nicht des Artikels).
- Über die ISSN-Datenbank
portal.issn.org.
Welches Kürzel hat Vorrang?
Wenn ein Zeitschriftenartikel sowohl DOI als auch ISSN hat (was meistens der Fall ist), nutzt der DOI als eindeutige Kennung des Artikels und ist wichtiger. Bei einem Buch mit ISBN und DOI gewinnt in den meisten Stilen ebenfalls der DOI. Die Regel ist einfach: Je spezifischer die Kennung, desto wichtiger. DOI > ISBN > ISSN.
Was passiert, wenn ein DOI fehlt?
Manche ältere Artikel haben keinen DOI — typisch alles vor ca. 2000. Zwei Optionen:
- Stabilen Link angeben. Wenn der Artikel über JSTOR, Project MUSE oder eine ähnliche Plattform stabil zugänglich ist, gib die “stable URL” an (nicht die Sitzungs-URL, die nach Schliessen der Sitzung ungültig wird).
- Auf den Link verzichten. APA 7 erlaubt das. Du gibst dann nur die normalen Felder an (Autor, Jahr, Titel, Zeitschrift, Volume, Issue, Seiten).
Nicht angeben sollte man: die direkte Verlags-URL eines Artikels, der einen DOI hat. Die kann sich ändern, der DOI nicht.
Acurio nutzt diese Felder mit
Bei der Zitatprüfung mit Acurio ist der DOI das Stärkste, was du mitliefern kannst: anhand des DOI erkennen wir, ob du die richtige Ausgabe einer Quelle zitierst, und gleichen den Quellen-PDF gegen das DOI-Metadatum ab. Eine saubere Zotero-Bibliothek mit gefüllten DOI- und ISBN-Feldern macht die Prüfung deutlich präziser.
Kurz zusammengefasst: DOI immer, wenn vorhanden — bei Artikeln und Datensätzen. ISBN nur bei Büchern, und nur dort, wo dein Stil es verlangt. ISSN praktisch nie in studentischen Arbeiten. Und Zotero erspart dir 90% der manuellen Eingabe, wenn du die DOI-/ISBN-Lookup-Funktion benutzt.